Magnet Nursing: Ein Organisations- und Führungskonzept zur Steigerung von Arbeitsplatzattraktivität und Patientenzufriedenheit

Vorbemerkung

Der zunehmende Mangel an qualifiziertem Pflegekräften und Ärzten zwingt die Krankenhäuser zu innovativen Konzepten des Personalmanagements, um Mitarbeiter anzuwerben sowie langfristig zu binden. Das in den USA erfolgreich praktizierte Konzept des „Magnet Nursing“ gibt Anregungen zur Neuorientierung der Organisation und Führung für deutsche Krankenhäuser.

Hintergrund

Pflegekräfte haben von allen Berufsgruppen den engsten Patienten-Kontakt und tragen wesentlich zu Qualität, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit des Medizinbetriebs bei. Gleichwohl haben sich Berufsperspektiven und Arbeitsbedingungen für die Pflege in den letzten 20 Jahren systematisch verschlechtert. Im DRG-System wurde die Pflege zum Kostenfaktor und erfüllte die Rolle eines Rationalisierungsobjekts, da 65% der Gesamtkosten eines Krankenhauses Personalkosten sind und die Pflege die zahlenmäßig größte Gruppe darstellt. Diese Praxis hat zu einem Attraktivitätsverlust des Pflegeberufs beigetragen und ist wesentliche Ursache für den zunehmenden Fachkräftemangel in der Pflege.

Durch die Corona-Pandemie wurden die Arbeitsbedingungen für die Pflege zusätzlich extrem verschlechtert. Eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin (DGIIN) machte die pessimistischen Perspektiven im Hinblick auf die Arbeitssituation transparent (Karagiannidis et al. 2020):

  • 48% der Intensivpflegekräfte gaben an, erheblich an Arbeitsmotivation verloren zu haben.
  • 86% zeigten sich frustriert über die nicht erfüllten Zusagen der Politik, eine steuerfreie Prämie in Höhe von 1.500 € zu zahlen.
  • 93% befürchten eine weitere Verschlechterung der Arbeitsbedingungen.
  • 52% beklagten den schlechten Qualitätszustand der zur Verfügung gestellten Schutzausrüstung.
  • 89% vermissten eine angemessene Wertschätzung der am Bett tätigen Berufsgruppen durch Politik, Verbände, Öffentlichkeit und Krankenhausführung.

An das Magnet-Nursing-Konzept werden bezüglich Verbesserung des Patienten Outcome, Erhöhung der Patientensicherheit, Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Attraktivität des Pflegeberufs auch in Deutschland große Erwartungen gestellt. 

Der Konzeptansatz des Magnet Nursing

Der amerikanische Ansatz eines Magnet-Krankenhauses bezieht sich originär auf medizinische Einrichtungen, in denen Pflegekräfte mit exzellenter Fachkompetenz dazu beitragen, dass eine herausragende Medizin geboten wird, der Patientenversorgungsprozess sich organisatorisch reibungslos und risikoarm vollzieht, Innovationen zeitnah und wirksam umgesetzt werden und die Patientenzufriedenheit groß ist. Magnet-Krankenhäuser steuern die Pflegeaktivitäten evidenz-basiert, d.h. unter Orientierung an pflegesensitiven Leistungsindikatoren.

Die Magnet-Initiative unterstellt einen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang zwischen Arbeitsbedingungen und Anreizsystem einerseits sowie Mitarbeiterzufriedenheit, Patientenzufriedenheit sowie medizinischer Qualität andererseits.

Dass eine mangelhafte Ausstattung mit qualifizierten Pflegekräften sich negativ auf Patienten-Risiken auswirkt, lässt sich logisch erklären.

Ebenso sind Schichtzeit bzw. Arbeitsbelastung in einer Schicht sowie die Zahl zu leistender Überstunden und Nachtdienste von Einfluss auf medizinische Qualität, Patienten-Risiken und Arbeitsplatz-Attraktivität.

Auch die zunehmend beklagte Ökonomisierung der Medizin in Verbindung mit dem Druck, klinische Entscheidungen unter wirtschaftlichen Aspekten zu treffen, führt zu einem Verlust an Motivation und Engagementbereitschaft.

Bei dem Magnet-Konzept handelt es sich um einen integrierten Organisations- und Führungsansatz, der nicht nur mit einem erheblichen strukturellen Reorganisationsaufwand verbunden ist, sondern auch anspruchsvolle Investitionen in Arbeitsausstattung, Mitarbeiter-Professionalisierung und das Coaching unternehmenskultureller Veränderungen erfordert.

Die Arbeitgeberattraktivität eines Magnet-Hospitals resultiert aus der orchestrierten Umsetzung der „14 Kräfte des Magnetismus“ und den „8 Handlungsgrundsätzen“, die als unternehmenskulturelle Leitlinie dienen. Den konzeptionellen Rahmen bildet das Modell der „5 Magnet Forces“.

 

Weitere Informationen:

  • von Eiff AKS, von Eiff W, Ghanem M. (2020): Magnet Nursing: Employee motivation, medical quality and patient satisfaction in union. In: Health Management.org The Journal, Volume 20, Issue 6 (2020), page 450-454.

Abbildung: Merkmale und Effekte des Magnet Nursing in amerikanischen Krankenhäusern (Quelle: von Eiff).