Die Corona-Krise hat nicht nur Lieferengpässe bei PSA-Produkten beschert, Lieferabrisse bei Arzneimitteln und Medizinprodukten verstärkt, sondern auch in erschreckender Deutlichkeit gravierende Strategie-, Digitalisierungs- und Organisationslücken im Beschaffungsmanagement von Arzneimitteln sowie Medizinprodukten offenbart. Mit dem Förderschwerpunkt 5 zielt das KHZG auf bestehende Versorgungs- und Organisationslücken im Bereich der Arzneimittel-Logistik, die bis zum 1.1.2025 nach dem Prinzip „Closed Loop Medication Administration“ zwingend zu überwinden sind.
In Krankenhäusern sind zwischen 19% und 35% aller Fehlerereignisse mit einer den Patienten schädigenden Wirkung auf Arzneimittelirrtümer zurückzuführen und die Zahl der Todesfälle als Folge von Verordnungsfehlern wird je nach Studienansatz auf mindestens 2.550 bis 30.000 pro Jahr geschätzt. Etwa 14% der durchschnittlichen Verweildauer in deutschen Krankenhäusern ist durch ungeplante Arzneimittel-wirkungen (UAW) begründet. Etwa 4,5% der Krankenhaus-Patienten sind von einer UAW betroffen, wobei zwischen 30 und 55% dieser UAW als vermeidbar gelten. Ebenso gehen 5% der Krankenhauseinlieferungen auf Medikationsfehler zurück und bei Senioren machen fehlerhafte Arzneimittel-Einnahmen 10% der Krankenhausein-weisungen aus.
Die Konsequenzen für die betroffenen Patienten reichen von Übelkeit und Erbrechen über befristete Gesundheitsbeeinträchtigungen, Erdulden von Zusatztherapien und Liegezeitverlängerung mit erhöhtem Infektionsrisiko; im schlimmsten Fall bleiben dauerhafte Gesundheitsschäden oder der Patient verstirbt.
Unabhängig von gesundheitlichen Beeinträchtigungen und spürbaren Einschränkungen des Wohlbefindens bewirkt jeder nicht-fatale Medikationsirrtum im Durchschnitt ca. 3.000 € vermeidbare Kosten in Form von Liegezeitverlängerungen (pro Fall zwischen 1,7 und 8,5 Tagen), Gegenmedikationen, zusätzlichem Betreuungsaufwand und entgangenen Deckungsbeiträgen wegen blockierter Bettenkapazität.
Zwischen 26% und 44% der Fehler im Medikationsprozess (von Eiff, 2011; Brinkrolf et al., 2013) treten bei Tätigkeiten auf, an denen die Pflege in erheblichem Maß beteiligt ist (Richten, Ausgeben, Stellen der Medikation).
Ein bedeutsames Risikofeld für das Pflegepersonal besteht in der Vorbereitung, Stellung und Kontrolle der Arzneimittelgabe. Bis zu 5% der Medikationsfehler entstehen beim „Stellen und Richten“ durch die Pflege. Diese Fehler gehen zu 11% auf falsche Transkription zurück, sind zu 14% auf die Zusammenstellung zurückzuführen und betreffen zu 26% die Abgabe.
Abbildung: Closed-Loop-Versorgung auf Basis Unit Dose in Verbindung mit Smart Cabinets (Quelle: von Eiff)
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