Thema des Monats

Zukunft Rehabilitation: Empfehlungskatalog für Manager

Dr. York Dhein (Vorstand Johannesbad Gruppe) und Prof. Dr. Dr. Wilfried von Eiff (Centrum für Krankenhaus-Management, Universität Münster) haben aktuell ein Buch zum Thema „Erfolgreiches Rehabilitationsmanagement“ herausgegeben. Das Buch gibt fundierte Einblicke in die Situation sowie die Perspektiven der Reha-Medizin in Deutschland und hält konkrete Handlungsempfehlungen für Reha-Manager bereit.

 

Situation

Die aktuelle Situation auf dem Reha-Sektor ist die eines volatilen Marktes, der zudem mit 1.140 Anbietern von Vorsorge- und Reha-Leistungen stark fragmentiert ist: Unterfinanzierung, Kostendruck, steigende Qualitätsanforderungen in Verbindung mit Konsolidierungsbestrebungen von Finanzinvestoren ergeben eine Gemengelage, die das Management von Reha-Einrichtungen fordert. Das Buch liefert das, was ein Manager braucht, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen: Er muss wissen, wie der Markt „tickt“ und die treibenden Marktkräfte erkennen. Die strategische Wettbewerbsposition ist zu bestimmen und das operative Geschäft, also die Wertschöpfungskette, angepasst an die Strategie zu optimieren. Dabei spielen Fragen der Investitionsfinanzierung ebenso eine Rolle wie der Umgang mit dem Fachkräftemangel, der Reflektion erfolgreicher Führungstechniken sowie die Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung.

 

Besonderheit

Dieses Buch erhebt den Anspruch, die Entscheider mit Informationen zu versorgen, die helfen, strategische und operative Management-Entscheidungen fundierter zu treffen.

Jedes Kapitel wird eingeleitet durch einen Vorspann, der die Kapitel-Inhalte in den Gesamtzusammenhang des Reha-Marktes einordnet und die Artikel-Auswahl begründet. Dieser „rote Faden“ zieht sich konsequent durch das Buch.

 

Am Ende eines jeden Kapitels stehen klare Empfehlungen für das Reha-Management zu Fragen der Finanzierung, zum Umgang mit Finanzinvestoren, zu Sektor übergreifenden Kooperationsstrategien, zur Kostensenkung und Effizienzsteigerung im Reha-Betrieb und neuen Reha-Geschäftsmodellen in einer zunehmend digitalisierten Medizin-Welt.

 

Das am Ende des Buches platzierte Kapitel “Agenda Rehabilitation 2025“ ist als Einstieg in einen konstruktiven Dialog zwischen Entscheidern, Verbandsvertretern, Kostenträgern und Politikern zu verstehen. Es geht um die öffentliche Sensibilisierung für die Notwendigkeit, den Reha-Sektor von einseitigen ökonomischen Zwängen zu befreien.

Forderungen an die Politik

Der Reha-Sektor hat eine wichtige Aufgabe im Bereich der Daseinsvorsorge. Aber auf diesem Markt schweben 28% der Anbieter von Vorsorge- und Reha-Leistungen in Insolvenzgefahr. Vollpauschalierte Tagessätze, die aufgrund der Marktmacht von Kostenträgern individuell für jeden Anbieter verhandelt werden, differenzieren nicht nach Schweregrad von Patienten. In diesem Markt gibt es keine Anreize für Qualität, sondern nur zur Kostensenkung. Die Unterfinanzierung bei den Tagessätzen liegt bei etwa 30%. Mit Tagessätzen zwischen 90 € und 122 € lässt sich keine qualifizierte kardiologische Rehabilitation durchführen, schon gar nicht bei Berücksichtigung des Effekts des steigenden Altersdurchschnitts der Patienten in Kombination mit Multimorbidität, Delir- und Frailty-Syndrom. Unter diesen Restriktionen kann der beste Manager nicht mehr erfolgreich agieren, hier ist Politik gefragt, die Rahmenbedingungen dieses Versorgungssektors so zu ändern, wie es von Leistungen der Daseinsvorsorge erwartet werden muss.

 

Digitalisierung

Die Digitalisierung des „Continuum of Care“ bewirkt faktisch die Etablierung eines neuen Versorgungssektors der „Zuhause-Versorgung“. Im Zuge der Flexibilisierung von Therapieoptionen gewinnen Apps zur Vorsorge und Rehabilitation an Bedeutung. Hinzu kommt der zunehmende Einsatz arbeitssparender und qualitätsverbessernder Roboter-Technologien z.B. im Bereich der neurologischen Rehabilitation nach Schlaganfall. Allerdings sind diese Investitionen in dem momentanen Finanzierungs- und Vergütungssystem kaum zu stemmen.